Dreiländergiro

Dreiländergiro 2010 – Chronologie

 

Wie versprochen hier der ausführliche Bericht zum Dreiländergiro 2010 in Nauders.

Schon Anfang des Jahres hatte ich mich zum Dreiländergiro angemeldet weil ich sehr viel Positives über die Veranstaltung gelesen hatte und weil der Dreiländergiro meinen “Traumpass” in eine 170km Runde integriert. Seit ich vor vielen Jahren die ersten Bilder vom Stilfserjoch gesehen habe, lässt mich dieser Anblick nicht mehr los. Also blieb nur eine Chance – Dreiländergiro! Die angebotene A-Runde entspricht genau meinen Vorlieben – knapp 170km und ca. 3400hm – nicht zu kurz aber auch nicht zu lang!

Am Freitag, 25.6. starteten wir nach Nauders. Wir, das sind diesmal Katja und ich – die Mädels mussten wegen der Schule zu Hause bleiben. Nach völlig problemloser Fahrt haben wir Nachmittags unser nettes Zimmer bezogen und im Anschluß einen ausgiebigen Spaziergang durch Nauders gemacht. Am Festplatz war schon einiges los, da um 12 Uhr Mittags das RATA gestartet wurde. Das RATA selbst ist eine Veranstaltung die einen eigenen Bericht wert wäre – ich sag nur ca. 530km und ca. 13.000hm in maximal 36h. Der Sieger – Maurizio Vandelli (ITA) – den ich am Samstag ins Ziel fahren sah, war übrigens nur 22h unterwegs. Absoluter Wahnsinn!

Der Samstag startete dann mit einem ausgiebigen Frühstück. Matthias, Fränkie und Andrea waren Freitag spät Abends auch noch eingetroffen und so konnten wir gemeinsam ein paar Kalorien vertilgen. Ich bin dann um 10 Uhr zu einer kleinen Runde um den Reschensee gestartet. Ca. 30km – bewußt nicht viel, um mir genug Körner für den Sonntag aufzuheben. Als ich zurück kam hatte Katja mir schon meine Startunterlagen abgeholt und ich habe die Startnummer montiert und mein Bianchi einem letzten Check unterworfen. Zu Hause hatte ich 2 Wochen vorher noch neue Ultremos mit neuen Schläuchen aufgezogen – es war also alles perfekt. Nachdem wir uns noch einige RATA Finisher angeschaut hatten, gingen wir zu fünft zum ausgiebigen Abendessen und verabredeten uns am Sonntag für 5 Uhr zum Frühstück. Es lief alles wie geplant, ich fühlte mich super, das Wetter war absolut perfekt und ich schlief in der Nacht wie ein Murmeltier. Alles ganz entspannt!

Am Sonntag um 4:30 Uhr klingelte dann der Wecker. Um 5 Uhr saßen wir mit fast der Hälfte der Hotelgäste beim Frühstück. Nach den üblichen “Toilettengängen” und Anziehen ging es um 6 Uhr zum Start. Vorher hab ich noch den obligatorischen Riegel eingeworfen. Katja und Andrea sind mitgekommen und haben den Start verfolgt. Um 6 Uhr war es schon richtig hell und keine Wolke am Himmel. Das versprach einen “Hammer”-Tag. Um 6:34 Uhr ging es mit einem Böllerschlag los. Die ca. 3.000 Starter (offizielle Zahlen habe ich momentan keine) gingen gemeinsam auf die A (168km) und auf die B (133km) Strecken. Das sehr disziplinierte Feld ging in den leichten Anstieg hinauf zum Reschenpass und flog dann förmlich am Reschensee vorbei hinein in die Abfahrt nach Glums. Diese Abfahrt nach ca. 25 gefahrenen Kilometern hatte es schon in sich – nicht alleine wegen des Tempos oder wegen enger Serpentinen. Die Straße war breit und übersichtlich, aber mit einigen hässlichen Längsrillen versehen. Darüber hinaus wehten um die Zeit schon einige heftige Windböen die bei dem hohen Tempo nicht ungefährlich waren. Prompt lag in der Abfahrt auch schon ein erster Verletzter im Straßengraben – blutüberstömt im Gesicht.

Insgesamt war das Feld aber sehr gesittet und trennte sich dann in Glums. Die B-Fahrer bogen ab Richtung Taufers/St. Maria und wir nahmen die große Schleife über Prad/Trafoi zum Stilfserjoch. Bis kurz vor Prad bin ich mit Matthias gefahren, Fränkie haben wir leider irgendwo am Start verloren. Ich hab dann in Prad einen ganz kurzen Stopp gemacht um mir meine Windweste/Armlinge und langen Handschuhe auszuziehen. Mit sehr guter Stimmung und einem sehr guten Gefühl bin ich in das Stilfserjoch eingestiegen.

Um an dieser Stelle mal einige Zahlen einzustreuen: Ich hatte mir vorgestellt, nach 8h +/- 15min ins Ziel zu kommen. Also musste ich um 10 Uhr auf dem Pass stehen. Bis Prad war ich 57 min unterwegs… blieben also noch noch ca. 2,5h für die Auffahrt zum Stilfserjoch. Es war somit alles im Plan.

Nun begann es also, das Abenteuer Stilfserjoch. Kurz hinter Prad (900m ü. M.) zieht sich die Straße lange in ein Tal hinein und beginnt auch sofort anzusteigen. Nicht zu steil, aber permanent. Nach ein paar Kilometern dann die erste Kehre. Ich hatte schon viel darüber gelesen, aber wenn du diese erste Kehre nimmst und liest die Zahl 45, überkommt dich unweigerlich ein kleiner Schauer! Naja, noch ein paar Meter dann sind es ja nur noch 44 Kehren usw. Munter bin ich drauf los gekurbelt und erreichte bald die Labestation in Trafoi. Laut Fahrplan hatte ich mir vorgenommen dort nicht anzuhalten, da die Trinkflaschen noch voll sein müssten und dort sicher noch ein ziemlich großes Gedränge herrschen dürfte. Genau so war es dann auch. Es war sogar so voll, dass die komplette Straße voller Radler war und man nur im Schritttempo im Zickzackkurs vorbei kam. Kurz nach der Labe kehrte aber gleich wieder Ruhe ein und ich kurbelte weiter Richtung Baumgrenze. Ich muss euch sagen, die Ausblicke auf das Ortler-Massiv übertrafen alles was ich bisher an Bildern und Fantasien hatte. Die klare Luft, der blaue Himmel, die eisbedeckten Gipfel – das alles war wahnsinnig schön und gibt einem einen zusätzlichen Kick!

So vergeht Kehre um Kehre und du “schleichst” nach oben. Ab und zu ein paar Motorräder, ein paar Autos und sogar ein Bus die überholen wollen – aber mit etwas Vorsicht kommen auch die schadlos an einem vorbei. Ich war weiter im Plan und fühlte mich gut. So erreichte ich um kurz vor 10 Uhr die Labestation – ca. 100 Meter Fahrstrecke vor dem Pass. Ich war etwas überrascht, daß die Labe nicht genau am Pass war – aber es gibt wohl Ärger mit den Kioskbesitzern, deshalb halten die Veranstalter lieber etwas Abstand. Das war aber kein Problem. Wie geplant habe ich meine Flaschen – die nun komplett leer waren – aufgefüllt. Bis hierher hatte ich mich noch komplett von meinen Gels und Riegeln ernährt – am Stelvio habe ich mir dann aber noch eine kleine Banane genehmigt.

Schnell die Windweste übergezogen und flugs nahm ich die letzten 100 Meter zum Pass in Angriff. Oben waren einige Leute, die uns angefeuert haben. Es ging dann ganz schnell – rum um die Kurve und ab in den Schuß zum Umbrail Pass.

Das war er nun, mein erstes Ziel für heute war erreicht – das Stilfserjoch auf das ich mich so sehr gefreut hatte. Es lief perfekt und ich freute mich auch die nächsten Kilometer. Die kurze Abfahrt zum Umbrail-Pass verlief klasse. Flott unterwegs, vernünftige Abfahrer vor und hinter mir. So kann es weiter gehen. Am Umbrail kommt dann noch ein ca. 100m langer Gegenanstieg – wobei Anstieg kann man es gar nicht nennen, eher Flachpassage. Ich hab mich kurz mit einem Allgäuer unterhalten (auch ein Giro Rookie) und gemeinsam haben wir uns dann Richtung St. Maria gestürzt.

Bis hierher lief alles perfekt. In Kürze stand das Stück Naturstraße auf dem Plan. Doch bis dahin waren noch einige super Serpentinen und wirklich schnelle Passagen zu nehmen. Mit geschätzten 60 km/h fuhr ich auf einem geraden Stück in eine Senke hinein und plötzlich tut es einen riesen Schlag. “Was war das?”. Schnell merke ich dass das Rad hinten anfängt leicht zu schlingern. Geistesgegenwärtig habe ich an einen Schlauch/Reifenplatzer gedacht (das Geräusch war mir ja noch sehr wohl bekannt da ich erst vor gut 4 Wochen einen Schlauchplatzer hatte) und sofort versucht vorsichtig zu bremsen. Das Rad blieb stabil und da keine Kurve auf mich zu kam konnte ich ohne größere Probleme bis zum Stillstand abbremsen. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. “Das darf doch nicht wahr sein!?” Kompletter Luftverlust hinten. Ich bin erst mal von der Straße direkt in die angrenzende Wiese gesprungen, denn von oben kamen sie angeschossen! Ich war total gefrustet und sauer… aber es hilft alles nichts! Keine Menschenseele weit und breit – aber in regelmäßigen Abständen diese Geräusch von vorbeidonnernden Rennradlern. Schnell mein Werkzeug und den Ersatzschlauch ausgepackt… Der Schlauchwechsel ging mir ganz gut von der Hand, trotzdem hat mich die ganze Aktion sicher 15 Minuten gekostet. Mit meiner Notfallpumpe hab ich mir erst mal nen Wolf gepumpt und schätzungsweise 4-5 bar in den Reifen bekommen. Aber richtig glücklich war ich damit natürlich nicht. Aber als ich erst mal wieder auf dem Bike war und die ersten Meter hinter mir hatte hat sich die Vertrautheit zwischen Bike und mir wieder eingestellt.

Oberstes Ziel war jetzt bis St. Maria zu kommen, denn dort war an der Labe eine Servicestation angekündigt. Wenn ich mir dort wieder Luft hole sollte es normal weiter gehen. Trotzdem bin ich natürlich den Großteil der Abfahrt hinunter sehr verhalten gefahren. Und diese Abfahrt wäre wirklich herrlich gewesen. Das kurze Stück Naturstraße wäre mit vorsichtiger Fahrweise kein Problem gewesen. Ich hatte aber einfach Angst, daß mit der wenigen Luft im Reifen wieder etwas schief gehen würde und bin entsprechend verhalten gefahren. Aber es ging gut und ich kam natürlich jetzt mit Verspätung in St. Maria an. Meinen Zeitplan hatte ich ab sofort aufgegeben!

An der Labe bin ich sofort zum Service gefahren und habe mir meinen Reifen richtig aufgepumpt. Herrlich – wie man sich über eine Standpumpe freuen kann. Am Servicewagen habe ich gleich meinen zerfetzten Schlauch entsorgt und mir für 8 Eur!!! einen “Monsterschlauch” mitgenommen. Der war so schwer und dick, dass ich erst noch mit dem Servicemann diskutiert habe. “Für 8 Eur kauf ich doch keinen so dicken schweren Schlauch!”. “Nimm den oder keinen” hat er gemeint. “Der hält wenigstens und einen anderen habe ich sowieso nicht mehr!”. Also gut, bar bezahlt (zum Glück hatte ich von meinen Touren zu Hause noch Bargeld in meinem Tütchen), rein in die Trikottasche und weiter gings Richtung Ofenpass.

Vor lauter Reifen habe ich total vergessen die Flaschen aufzufüllen und etwas zu futtern. Da meine Flaschen vom Stilfserjoch aber noch gut gefüllt waren, war das kein großes Problem. Zum Essen hätte ich aber gerne noch was mitgenommen. Naja, zur Not hilft das letzte Gel im Rücken aus. Die 35km bis Zernez werde ich irgenwie kommen.

Direkt hinter St. Maria geht dann der Ofenpass los. Ein Radler im Hotel hatte uns den Ofen als nicht wirklichen Pass beschrieben. Der geht relativ flach und du kannst den ganz gut durchdrücken. Naja, das was ich dann erlebt habe (Matthias und Fränkie haben übrigens die gleichen Gelüste auf den Typen gehabt) war ganz anders. Von wegen kein richtiger Pass… erst geht es stetig mit 6-10 Prozent bergan. Oben raus kommen dann sogar noch einige Kehren. Nichts mit durchdrücken. Schön dezent bin ich gefahren. Zum Glück hatte ich kurz nach der Labe ein nettes Mädel getroffen die mir gleich den Zahn gezogen hat. “Wer erzählt denn sowas? Der Ofen ist mein absolutes Haßstück beim Giro”. Sie war schon mehrmals mitgefahren und wußte Bescheid. Entsprechend hab ich mich zurückgehalten.

Je höher ich kam desto mehr hab ich das verpasste Essen vermißt. Aber der Hungerast war zum Glück noch weit entfernt. Nach der letzten Kehre sah ich schon die Passhöhe und voller Überraschung eine ausserplanmäßige Labe direkt auf der Passhöhe.

“Das ist ja super!” Flaschen voll machen, diesmal etwas mehr futtern und weiter sollte es gehen. Die Stimmung stieg plötzlich wieder bis 50m vor der Labe… Pffffffffttttttttttttt! “Ich glaube es nicht”. “Schon wieder!”. “Ich glaube ich spinne!”. Schlagartig ist erneut der Hinterreifen platt. Ich bleibe sofort stehen und laufe links rüber – direkt zwei Sanitäterinnen vom Schweizer Rettungsdienst in die Arme. “Ohhhjeeee, was ist jetzt passiert?”. Mir kommt vor Entsetzen nur noch ein “Wenn es das erst mal heute wär, wär es ja ok!” über die Lippen. Eines der Mädels kümmert sich ganz rührig um mich und sagt “I hob nur a Pflaster dabei!?”. Ich mußte echt lachen und es hat gut getan. Meine Hoffnungen auf eine vernünftige Zeit waren jetzt total begraben… aber die Dame hat mich echt aufgeheitert.

Same procedere as … Laufrad raus, Reifen halb runter, Schlauch raus, Monsterschlauch rein und da fällt mir auf, was ich wohl schon am Umbrail hätte sehen müssen. Der Ultremo hatte einen ca. 1,5cm langen Riß quer zur Laufrichtung. “Auweia! Jetzt wundert mich nichts mehr!” Eine Lösung für dieses Problem habe ich hier oben natürlich nicht. Kein Service weit und breit. Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten – Aufgeben und auf den Besenwagen warten, oder Schlauch einbauen und vorsichtig bis Zernez zum nächsten angekündigten Service fahren.

Aufgeben gilt ja nicht, also habe ich den “dicken” Schlauch montiert und hab mich für die Weiterreise fertig gemacht. Ich sag euch, zu diesem Zeitpunkt war ich richtig froh, daß mir der Servicemann in St. Maria diesen Monsterschlauch aufgeschwätzt hat. Danke noch mal an Mister Unbekannt! An der Verpflegung hab ich mir dann noch schnell eine Banane eingeworfen und bin zu meinen bisher unangenehmsten 22 Rennrad-Kilometern gestartet. Jede Unebenheit auf der Straße, jeder Antritt, jeder Stein hat mir Angst gemacht. Wenn jetzt noch mal etwas schief geht, bleibt nur noch der Besenwagen. Aber darauf hat natürlich niemand Lust. Dazu kommt noch dass die Strecke vom Ofen bis Zernez relativ einsam ist und durch eigentlich herrliche Landschaft verläuft, die ich aber unter diesen Umständen gar nicht mehr geniessen konnte. Eigentlich heist es, sich ab dem Ofen eine gute Gruppe zu suchen und zusammen Richtung Zernez zu fliegen. Das war für mich aber nicht wirklich machbar. Also bin ich viel alleine gefahren und hatte plötzlich sogar ein paar “Lutscher” hinter mir. Ich konnte es nicht glauben – wer hängt sich schon freiwillig an ein solches Wrack?

Naja, Augen zu und durch – mit der Hoffnung auf den Service in Zernez hab ich mich durchgeschlagen. Meine Idee war einen weiteren Ersatzschlauch mitzunehmen (seit dem Ofen fahre ich ja ohne durch die Gegend) und wenn möglich sogar den Mantel zu tauschen. Ob aber das Geld was ich noch dabei hatte reichen würde, war die nächste Frage.

In Zernez angekommen stellte sich die Frage aber erst gar nicht. “Ja richtig, im letzten Jahr war hier ein Service. Der ist aber heute nicht erschienen!” – so die Antwort auf meine Frage wo denn der Servicewagen steht als ich an die Labe kam. “Ich fall vom Glauben ab!”.  ”Was geht denn heute ab?”. Aber was sollte ich machen. Ich hatte noch 60km, einen Cut im Hinterreifen der sich langsam zu einer kleinen Beule ausgeformt hatte und einen Monsterschlauch, der anscheinend tatsächlich besser hält als mein Conti Supersonic Schlauch, von denen ich heute schon zwei geschrottet hatte. In Zernez gab es dann das erste mal leckeren Kuchen. Also gleich mal die Backen vollgestopft und die Flaschen aufgefüllt. Dann habe ich gewartet bis endlich eine kleine Gruppe von der Labe losfährt. Aber weit gefehlt. Ich dachte schon die wollen hier übernachten und bin gemütlich alleine losgefahren. Irgendwann wird eine Gruppe kommen und mich mitziehen. Zwischen Zernez und Martina ist nämlich das Stück, wo es sich in einer guten Gruppe am besten heizen läßt – oder alleine im Gegenwind am besten versauern läßt. Naja, ich hatte beides… versauern und “heizen”. Ich bin größer Strecken alleine gefahren da ja der Großteil der 8h Fahrer schon lange durch war und eine Gruppe so schwer zu finden war. Trotzdem habe ich dann glücklicherweise eine halbwegs passende Gruppe gefunden und bin mit denen Richtung Martina gefahren. Jede noch so kleine Unebenheit oder Bewegung am Rad hat mich erschrecken lassen. Im Wiegetritt hat das Hinterrad gebremst als würde mich jemand von hinten festhalten. Aber irgendwie bin ich doch in Martina gekommen.

In Martina war dann die letzte Verpflegung vor dem Ziel. Ich dachte mir, wenn der Reifen bis hierher gehalten hat, hält er auch noch für die letzten 400hm hinauf über die Norbertshöhe nach Nauders. An der Labe hab ich mir noch einen großen Becher Cola eingekippt, mein letztes Gel reingedrückt und wieder von einem Mädel, die schon mal den Giro gefahren ist die letzten Streckeninfos geben lassen. Ich fühlte mich noch ganz gut und dachte nichts wie weg hier und hoch nach Nauders. “Ich laufe jetzt schon auf die 9h Fahrzeit hin und Katja wartet sicher schon seit einer Stunde im Ziel auf mich”.

Relativ guter Dinge bin ich losgekurbelt und hatte plötzlich einen Mountainbiker neben mir. Der hatte keine Startnummer war aber ganz fleissig am Kurbeln. Wir hatten uns kurz beäugt und im selben Moment klingelte sein Handy. “Servus, i fohr heit scho des dritte moi aufi. Zwoa moi hob i Spezis aufigezogen, jetzt los i mi aufiziahn”. Ich glaub ich spinne. Als er fertig war mit Telefonieren sind wir ins Gespräch gekommen. Ein cooler Typ, seit 15 Jahren Mountainbike Guide in Nauders. Der hat mir die Auffahrt echt versüsst. Ich hab für ein paar Minuten meinen Reifen vergessen. Gemeinsam ist er mit mir bis zur Norbertshöhe gefahren. Dort ist er im Hotel abgebogen und ich war erleichtert. Jetzt sind es nur noch ca. 2km bergab bis ins Ziel.

Die letzten Meter hab ich es laufen lassen. Wenn jetzt was ist, lauf ich ins Ziel. Mir egal. Aber der Reifen hat gehalten und ich bin dann doch noch glücklich nach 8:51h durchs Ziel gefahren.

Katja war ganz erleichtert – sie hatte tatsächlich schon über eine Stunde gewartet. Ich hatte ein ganz komisches Gefühl – auf der einen Seite total verärgert, auf der anderen Seite aber auch glücklich trotz all der Umstände hier ins Ziel gekommen zu sein. Am Ende des Tages überwog die Freude – vor allem auch wenn man sich überlegt was alles hätte passieren können als mir am Umrail der Schlauch das erste mal um die Ohren geflogen ist.

Meine Daten:
Strecke: 166,5 km
Höhenmeter: 3489
Zeit: Offiziell 8:51h (reine Fahrzeit 7:51h)

Unterm Strich und mit zwei Tagen Abstand muss ich sagen:
Es war eine tolle Veranstaltung und ich bin stolz, endlich “mein” Stilfserjoch gefahren zu sein. Unter normalen Umständen hätte ich wahrscheinlich meine Zielzeit von 8h (+/-) erreicht. Natürlich bin ich auch so sehr glücklich, dass trotz der Umstände alles heil geblieben ist und ich überhaupt ins Ziel gekommen bin. Die Orga war gut – wenn auch die Sache mit dem nicht erschienen Service in Zernez etwas auf dem Habenkonto lastet. Nauders ist ein schönes gemütliches Örtchen und die A Strecke beim Giro kann ich jedem nur empfehlen.

Ach so, um die Chronologie zu vervollständigen.
Am Montag sind wir nach einem gesunden Schlaf und einem reichhaltigen Frühstück schön gemütlich nach Hause gefahren.

Die Streckendaten findet ihr hier auf Sportics und ein paar Bilder wie immer in der Gallerie.

7 comments on “Dreiländergiro 2010 – Chronologie

  1. Herzlichen Glückwunsch – ein Rennen unter diesen Umständen zu finishen zeugt von mentaler Stärke! Dein Bericht macht echt Lust auf den Giro – vielleicht gehe ich das im nächsten Jahr mal an (allerdings nicht mit Ultremos ;) ) …
    Sehen wir uns am Sonntag beim Spessarträuber?

    Grüße
    Thorsten

    • Giro oder Maratona könnten wir im nächsten Jahr mal gemeinsam angehen! Glaube nicht daß es an den Ultremos direkt gelegen hat… beim Abbremsen ohne Luft hätte wahrscheinlich jeder Reifen Probleme bekommen!?
      Sonntag wird es sehr wahrscheinlich bei mir nicht klappen – mir fehlen auch die Berge im Hintergrund! ;-)

  2. Pingback: Berichte von Teilnehmern des Dreiländergiros 2010 in Nauders | Radmarathon Termine

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