wir sind wieder zurück…
ZIEL erreicht, TRAUM erfüllt…
Was soll ich sagen – ich bin sehr glücklich beim ersten Versuch den Ötzi „gefinished“ zu haben!
Wie geplant haben wir uns alle… Matthias (mit Anhang), Thomas, Hubertus (mit Anhang), Detlef (mit Anhang), Diddi und Johannes am Freitag Abend in Sölden getroffen. Bis auf Thomas und Matthias wohnten wir alle im Gästehaus Riml (5 min. zu Fuß zum Ortskern und gute Vorschußlorbeeren von den Spessart-Bikern aus den Erfahrungen vom letzten Jahr).
Wie verabredet haben wir uns Freitag Abend beim Italiener zu ein paar Pastas getroffen. Es war schön hier alle Ascheberscher zu treffen.
Für Samstag Vormittag war ein lockeres Abschlußtraining geplant. Von Sölden wollten wir nach Längenfeld und zurück radeln. Um ca. 11:30 haben wir uns am Riml getroffen und sind geschlossen nach Längenfeld und zurück. In Sölden haben dann Matthias und ich entschieden nochmal einen Abstecher nach Vent zu machen… so haben Matthias und ich am Samstag doch noch eine Tour von gut 62 km und ca. 700 hm gemacht. Ob das zuviel war!?
Da wir zeitig zurück waren sind wir (Matthias und ich) mit unseren Familien nochmal in den Aqua Dome nach Längenfeld gefahren. Dort haben wir uns bei Termalbädern etc. nochmal richtig entspannt.
Wann bin ich am Samstag ins Bett? So ca. 22 Uhr… viel Schlaf habe ich nicht erwartet… Um 4 Uhr war ich auch tatsächlich wach. Egal, muß reichen. Nach einem schönen Frühstück hab ich mich fertig gemacht und stand um 5:50 zur Abfahrt bereit. Dort ein erster Schock… von einigen Ötzikollegen die in unserem Haus wohnten wurden aus der Garage 3 oder 4 Kompletträder und ein Laufradsatz gestohlen. Von unserer Truppe war noch alles Material vorhanden. Was für ein Glück! Ich hatte mein Rad (zwar nicht von der Wirtin gewünscht) mit auf mein Zimmer genommen.
Wir sind dann geschlossen kurz nach 6 Uhr zum Start gerollt.
Es war ein riesiges Feld. Da es für mich der erste Ötzi war habe ich keinen direkten Vergleich… aber es waren sehr viele Starter.
Punkt 6:45 erfolgte der (verschobene – eigentlich 6:30) Start.
Sölden-Kühtai
Die offizielle Startzeit bei mir war 6:53. D.h. 8 Minuten haben wir gebraucht um mit dem großen Feld bis zum Start vorzufahren. Egal… in rasanter Fahrt ging es bei sehr moderaten 13 Grad Temperatur bergab Richtung Oetz. Das Feld war sehr diszipliniert und es herrschte aus meiner Sicht keine Gefahr oder Chaos in irgend einer Form. Trotzdem gab es nach ein paar Minuten schon den ersten Stau… kurz nach einem Tunnel auf dem Weg nach Oetz gab es den ersten Unfall – dadurch kam es zum Rückstau der uns kurzfristig zum kompletten Stillstand im Feld gebracht hat. Es ging aber trotzdem recht zügig weiter. Nach diesem ersten „Wachrüttler“ ging es in zügiger Fahrt bis Oetz und durch einen Kreisel in den Einstieg zum Kühtai.
Das Kühtai selbst ist schön zu fahren… die einzige Gefahr besteht denke ich darin, zu Beginn schon zu „überpacen“. Die Verlockung ist groß mit dem Feld hinaufzufliegen.
Meine offiziellen Daten:
Fahrzeit bis Ötz: 0:44h
Fahrzeit bis Kühtai: 2:10h
Bergzeitfahren Oetz-Kühtai 17.3km, Höhenunterschied 1200m
Fahrzeit: 1:26.22,4
Durchschnitt: 12,017 km/h
An der Labe Kühtai habe ich nur ca. 5 min Pause gemacht. Flasche aufgefüllt, halbe Banane rein und die berühmten Ötzi Kraftkugeln versucht. Dann gings in die wirklich rasante Abfahrt. Dort dann der zweite schwerere Unfall. In einer Linkskurve (ziemlich voll zum Fahren) hat es einen Kollegen wohl schwer erwischt. Mit drei Krankenwagen hatte man ihn am Straßenrand versorgt – optisch kein schöner Anblick.
Auch auf dem Weg zum Kühtai hoch wurden wir schon öfters von Krankenwagen mit Blaulicht überholt (was sich den ganzen Tag nicht mehr ändern sollte).
Mit guter Form bin ich dann in Innsbruck angekommen. Die Temperaturen stiegen dort schon merklich über 20 Grad. Innsbruck selbst war keine schöne Durchfahrt, relativ viel Verkehr, eine schmale abgesperrte Spur für uns.
Brenner
Von Innsbruck aus ging es dann über die alte Brennerstraße hinauf zum Paß. Wie erwartet ist hier taktisch einiges zu verspielen. Trotz besseren Wissens habe ich in den Anstiegen keine Gruppe gefunden die mir vom Tempo her gut gepaßt hätte… in einer zu schnellen Gruppe bin ich einige Kilomter mitgefahren was mir aber bei Beachtung meiner HF Daten nicht gefallen hat. Ich ließ abreißen und stand plötzlich ziemlich alleine in der Pampa. Das war nicht wirklich gut da ich bei dem vorhandenen Gegenwind einiges an Körnern am Brenner verloren hatte. Naja, man lernt nie aus.
Dafür habe ich auf den letzten Metern zum Brenner einen netten Kollegen aus Obernau (Robert Schüssler – Team Stenger) getroffen. Wir haben uns nett unterhalten und der Brenner Schwatz sollte nicht der letzte gemeinsame für heute gewesen sein.
Auf dem Weg zum Brenner stiegen die Temperaturen Richtung 30 Grad Marke… näherten wir uns etwa Italien???
Meine offiziellen Daten:
Fahrzeit bis Innsbruck: 3:04h
Fahrzeit bis Brenner: 4:40h
Bergzeitfahren Innsbruck-Brenner 38.2km, Höhenunterschied 697m
Fahrzeit: 1:35.26,4
Durchschnitt: 24,015 km/h
An der Labe habe ich auch wieder Hubertus getroffen. Wir sind uns ja schon vorher das ein oder andere mal über den Weg “gefahren”. Nach einer gemeinsamen Rast sind wir zusammen nach Sterzing gedonnert. War wieder eine schöne Abfahrt in einer kleinen Gruppe.
Jetzt hatten wir die ersten beiden Pässe geschafft. Insgesamt ging es mir noch recht gut, doch die Hitze hatte mir schon etwas auf den Magen und Kreislauf geschlagen. Das Essen viel mir an den Laben nicht so leicht, so ernährte ich mich primär während der Fahrt von meinen Gels und Traubenzucker.
Jaufen
Von Sterzing aus ging es dann in den Anstieg zum Jaufen. Den Jaufen selbst finde ich recht interessant. Ist ein schön zu fahrender Paß. Im unteren Bereich noch etwas geschützt (Hitze) durch die Waldstücke, oben heraus dann ohne Bäume mit einer herrlichen Aussicht. Bei mir machte sich aber im Jaufen dann die erste Müdigkeit in den Beinen breit. Auch der Hunger und Durst wurde immer weniger. Ein Tribut an die hohen Temperaturen? Im Anstieg zum Paß haben Hubertus und ich uns verloren als ich temperaturbedingt meine Knielinge loswerden mußte. Oben angekommen haben wir uns wieder getroffen und sind gemeinsam in die rasante Abfahrt nach St. Leonhard gegangen.
Diese Abfahrt hat mich wirklich wieder motiviert. Trotz schlechtem Belag hat sie mir sehr viel Spaß gemacht. In einer Mischung aus Speed und Vorsicht haben wir uns St. Leonhard genähert wo Temperaturen um 35 Grad geherrscht haben.
An der Jaufen Labe konnte ich wieder nur ein kleines Stück Kuchen essen und die Flaschen auffüllen die aber nicht wirklich leer waren. Irgendwie ging heute mit Essen und Trinken nicht wirklich viel. In der Auffahrt zum Paß hatte ich dann auch schon die ersten Anzeichen von Verkrampfungen in den Beinen… ich mußte auch schon einmal absteigen um die Beine zu lockern. Oje, das waren keine guten Anzeichen. Egal, motiviert war ich allemal als ich oben war – denn jetzt stand nur noch das Timmelsjoch zwischen mir und Sölden.
Meine offiziellen Daten:
Fahrzeit bis Gasteig: 5:32h
Fahrzeit bis Jaufen: 7:17h
Bergzeitfahren Gasteig-Jaufenpass 21.6km, Höhenunterschied 1130m
Fahrzeit: 1:44.10,9
Durchschnitt: 12,439 km/h
Timmelsjoch
In St. Leonhard herrschten dann fast unerträglich hohe Temperaturen. Mein Polar zeigte 38 Grad an, ein anderer Radler sprach von 36 Grad. Irgendwo in diesem Bereich liegt die Wahrheit. Egal, die Temperaturen geben einem nach einer solchen Strecke schon den Rest. Aber Aufgeben statt jetzt nicht mehr zu Debatte. Zusammen mit Hubertus bin ich in den Anstieg zum Timmelsjoch gegangen. Auch Robert (Team Stenger) habe ich immer wieder getroffen. Es ging uns allen nicht mehr wirklich gut. Essen und Trinken war nicht mehr in notwendigem Umfang möglich. Trotzdem gab es nur einen Weg – den nach oben!
An der Schönau Labe waren Hubertus und ich noch zusammen, danach hat jeder für sich gekämpft… das Wetter war nicht mehr sehr vielversprechend… es sah schon richtig nach Regen und sogar nach Gewitter aus. Egal, durchziehen war angesagt. An der letzten Getränke-Versorgung bin ich vorbei gefahren da meine Flaschen noch von der Schönau voll waren. In beiden Beinen machten sich zu diesem Zeitpunkt Krämpfe breit. Es fing an zu nieseln. Egal, weiter, Kehre für Kehre… ich muß auf diesen „schei…“ Berg hoch. Dann kann nichts mehr passieren. Hubertus hatte ich aus den Augen verloren als ich in den Kehren die ersten kurzen Pausen machen mußte. Krämpfe hatten mich dazu gezwungen. Der Regen wurde immer stärker und kurz bevor ich oben in die Tunnel einfuhr begann es zu schütten. Richtig heftige Regenschauer kamen da runter… aber kein Blitz, kein Donner. Also, immer weiter. Komplett durchgenäßt kam ich um 18:41 Uhr oben an. Regen war mir egal, mit dem Zeitlimit hatte ich überhaupt kein Problem also konnte bloß noch ein Gewitter meine Abfahrt nach Sölden verhindern…
Meine offiziellen Daten:
Fahrzeit bis St. Leonhard: 8:07h
Fahrzeit bis Timmelsjoch: 11:47h
Bergzeitfahren St.Leonhard-Timmelsjoch 31.4km, Höhenunterschied 1759m
Fahrzeit: 3:39.15,3
Durchschnitt: 8,592 km/h
Bei der Timmelsjoch Zeitnahme habe ich dann wieder Robert getroffen, auch er hat sich mit seinen Problemen den Berg hochgekämpft. Ich habe mir alles was ich an wärmenden Klamotten noch dabei hatte angeworfen und hab mich in die Abfahrt gestürzt. Wobei, von „gestürzt“ möchte ich jetzt nicht mehr reden. Bei diesem starken Regen (teilweise wolkenbruchartig) habe ich mich nur noch bemüht heil ins Ziel zu kommen. Kein Risiko mehr… nur noch heil runter. Der Gegenanstieg konnte mich dann nicht mal mehr ärgern… denn ich war mir sicher ins Ziel zu kommen. Die letzten Kilometer hinab waren wirklich ätzend da die Straße von Hochgurgel nach Sölden schon wieder geöffnet war. Bei den immer noch vorhandenen Krämpfen, dem starken Regen, den Autos auf der Straße, der Dämmerung und dem dichten Verkehr in Sölden war die Zieleinfahrt dann wie eine Befreiung. Katja stand mit den Mädels an der Ziellinie – ich war so froh die drei zu sehen.
Bussy euch dreien…
Meine offiziellen Daten:
Fahrzeit bis Sölden: 12:46h
Resümee
Der Ötzi war ein wahnsinns Erlebnis. Im Nachhinein bin ich einfach nur froh „gefnished“ zu haben. Die Zielzeit schreibt natürlich keinen Helden-Epos! Aber das ist nicht das was dieses Jahr für mich gezählt hat. Nachdem ich erst die zweite Saison richtig Rad fahre war das finishen das eigentliche Ziel. Natürlich hatte ich mir im Vorfeld eine bessere Zeit erhofft, aber mehr war diesmal noch nicht drin. Da ich aber insgesamt ca. 1:30h Pausezeiten hatte, weis ich schon wo ich optimieren kann!
Bei den ganzen Unfällen (man spricht von > 40-50) mit zum Teil schwereren Folgen (offene Brüche, Schädel-Traumen usw.) zählt eigentlich auch nur das gesunde Ankommen. Thomas (9:28h) und Matthias (10:22h) haben bomben Zeiten hingelegt. Hubertus (12:14h) und ich (12:46h) haben gefinished… Detlef, Diddi und Johannes wurden aus dem Rennen genommen. Alle Spessart-Biker sind wohl auf… das ist die Hauptsache.
Ansonsten kann ich den Ötzi jedem empfehlen der eine echte sportliche Herausforderung sucht.
Ich glaube nicht daß es mein letzter Ötzi war!
Nochmal ein Bussy an meine drei Frauen die mich wirklich ohne Wiederreden auf den Ötzi vorbereiten ließen und mich auch nach Sölden begleitet haben. Ich bin froh daß ich euch hab!





