
Nachdem ich im Oktober letzten Jahres schon am Keep On Running in St. Wendel teilgenommen habe, stand für dieses Jahr schon sehr früh fest dass dieses Event auf meiner Jahresplanung vertreten sein würde.
Um so mehr, als sich um den Jahreswechsel herum herausstellte, dass das KOR 2013 in Alzenau stattfinden sollte. Das bot natürlich die Gelegenheit gleich den Triple (Freitag, Samstag und Sonntag) zu “buchen”. Nach den ersten Streckenbesichtigungen mit Marco Schneider war schnell klar dass sich die Strecken nicht vor St. Wendel verstecken müssen. Die Vorfreude wuchs und das Training lief optimal. Ich bin über den Winter viel mit Zenon und auch immer mal wieder mit Pierre gelaufen. Zenon und ich sind ja auf dem Weg zum Zugspitz Basetrail und Pierre hat den Startplatz für’s KOR im Main Ausdauershop gewonnen. In seinem ersten Jahr eine ganz schöne Herausforderung. Irgendwie sollte das KOR somit auch den Charakter einer Spessart-Biker Vereinsmeisterschaft (der Laufabteilung) haben. Aber alles nur virtuell, denn es gibt gar keine offizielle Laufabteilung. Aber irgendwie muss man sich ja die gemeinsamen langen Winterläufe schönreden!
Alles lief perfekt bis mir an Ostern die Gesundheit einen jähen Strich durch die Rechnung machte und ich im Krankenhaus landete. Wie schnell sich das leben innerhalb von Stunden ändern kann, wurde mir erstmals am eigenen Leib bekannt. Aber das soll hier ja kein Krankheits-Blog sein, somit in kurzen Worte: Die Ärzte haben mir empfohlen nicht im Wettkampf-Modus am KOR teilzunehmen. Im Trainingsmodus gäbe es aber nichts auszusetzen. Für mich selbst hatte ich allerdings den Trainings-Modus im Wettkampf ausgeschlossen. “Das funktioniert sowieso nicht!”. Ich hatte mich zum zuschauen “verdammt”. Aber je näher die Tage rückten um so größer wurde wieder der Wunsch teilzunehmen. Also – letzte Rücksprache mit dem Doc und TRAININGSMODUS im Hirn eingehämmert. So ging es dann am Freitag doch mit Laufklamotten nach Alzenau.
Citynight Sprint (Freitag)
Pünktlich um 19 Uhr startete der Citynight Sprint auf eine, wg. der starken Regenfälle zuvor und einer damit einhergehenden stellenweise Überschwemmung der Radwege entlang der Kahl, auf ca. 2.5km verkürzten Strecke. Das tat der Strecke aber keinen Abbruch, denn die meisten Highlights blieben erhalten. So ging es über Baumstämme, Strohballen und Treppen hinauf in den Burghof. Zuvor durfte das Parkhaus durchquert werden. Auf dem Weg von der Burg hinunter zur Kahl war Vorsicht geboten, denn die Treppe hinunter war durch die Regenfälle und Matsch spiegelglatt. Aber die Runde machte einen heiden Spaß und ich fand das erste mal Gefallen an einer Sprint-Runde. Eigentlich hasse ich so kurze und dadurch ultraschnelle Distanzen. Aber die abwechslungsreiche Strecke lies mich das ganz vergessen – und Zenon, der 1-2 Läufer vor mir gestartet war, immer wieder im Blickfeld zu haben war eine weitere Motivation. Natürlich vergaß ich auch irgendwie meinen TRAININGSMODUS. Unten an der Kahl erinnerte ich mich mal für ca. 50m daran
) Aber egal, es ging mir super gut. So kam ich nach 9:15,1min ins Ziel und ab sofort stand Regeneration für den Hahnenkamm-Trail auf dem Programm. Zenon (+9s) und Pierre (+31s) waren knapp dahinter.
Hahnenkamm-Trail (Samstag)
Eigentlich waren die Wettervorhersagen für Samstag schon auf Frühling ausgerichtet, aber weit gefehlt. Bei 10-12 Grad starteten wir pünktlich um 12 Uhr in Alzenau. Den ersten Teil der Strecke kannte ich ja schon sehr gut von diversen Trainingsläufen und ich wusste was auf uns zukommen würde. Also war die Devise “langsam angehen” angesagt. Aber irgendwie scheine ich das verdrängt zu haben und lief guter Dinge hinauf zum Hahnenkamm. Zwischendurch immer wieder Regenschauer und tiefe Matschpassagen. Die Strecke war durch die tiefen Passagen, den Regen und die Kälte ziemlich schwer heute. Oben am Hahnenkamm wurde es mir ziemlich unbehaglich und ich wusste dass die 27km und 1000hm in diesem Tempo heute unmöglich werden würden. Aber irgendwie motivierte mich Pierre der immer in Sichtweite vor mir herlief. Und Zenon saß mir ja auch noch im Nacken. Meistens konnte ich ihn sehen wenn ich mich gelegentlich mal umschaute. Wenn Zenon direkt hinter mir ist, kann ich das mittlerweile ganz gut hören. Wenn man so viele Kilometer gemeinsam läuft, erkennt man die Schrittfrequenz und Atemgeräusche wieder. Naja, nach dem Hammer-Downhill Richtung Gunzenbach und der anschließenden Asphaltpassage hinaus aus Gunzenbach merkte ich deutlich dass ich angeschlagen war. Pierre schien es vor mir ähnlich zu gehen und ich schloss zu ihm auf. Beim nächsten massiven Uphill mussten wir beide gehen und Zenon kam von hinten an uns vorbei gerannt. Ich rief ihm nur noch zu “du bist doch gedopt” und schwups war er weg. Was dann kam war auch nicht viel motivierender, denn es ging immer wieder auf und ab. Ein paar richtig schöne Anstiege die einen in so einer Verfassung ganz schön quälen können. Da half nur noch Zähne zusammen beissen und durch. Von Pierre konnte ich mich noch mal leicht absetzen, auf Zenon aufzulaufen war aber definitiv nicht mehr drin. Der war weg. Also dachte ich an Morgen und reizte meine letzten Körner nicht bis aufs letzte aus. In 2:38:18,1 lief ich zufrieden aber kaputt nach 27km und 1000hm im Ziel ein. Zenon (-35s) hatte heute einen guten Tag und die richtige Strategie. Pierre (+1:43min) hat hinten raus nochmals etwas abreisen lassen müssen, für seinen ersten wirklich längeren Wettkampf aber super abgeschlossen. Zenon und ich hatten jetzt die Plätze in der Gesamtwertung getauscht. Nach etwas Zielverpflegung düsten wir ab Richtung Heimat und es stand wieder “Regeneration” für Sonntag auf dem Programm.
Kahlgrund-Trail (Sonntag)
Endlich, die erwartete Wärme sollte heute kommen – zumindest war es um 8:45 Uhr als wir losfuhren schon 12 Grad warm. Als leichte Trotzreaktion der vergangen Tage kramte ich für heute auch die ganz kurze Hose heraus. Und es hat sich rentiert. Im Verlauf des Tages kletterte das Thermometer auf >20 Grad. Um 10:05 wurde der Kahlgrund Trail gestartet. Leicht verspätet, da einige Starter irgendwie mit der Bahn von Alzenau Probleme hatten. So stieg die Spannung in der Startaufstellung ins Unermessliche. Für heute hatte ich mir vorgenommen verhalten anzugehen und erst ab dem Hahnenkamm Tempo zu machen – falls die Verfassung das zulässt. Vom Samstag waren die Beine etwas schwer, aber nicht übermässig und ich war ganz guter Dinge. Vom Start weg hielt Zenon sich direkt hinter mir. Er hatte einfach nur vor mir zu folgen um seinen Vorsprung zu halten. Im Grunde waren wir ja nur hier um Spaß zu haben – aber so ein kleines nicht ernst gemeintes Duell macht so einen Tag doch gleich viel spannender. Also versuchte ich zu taktieren. Langsam bis rauf zum Hahnenkamm. Dann sehen was geht. So kam es dann auch – Zenon den ganzen Anstieg zum Hahnenkamm hinter mir im “Windschatten”. Ich merkte schon auf dem Weg hoch zum Hahnenkamm dass ich schneller könnte, habe mir aber eingehämmert dass ich lieber im flacheren Teil der zweiten Streckenhälfte Gas geben würde. So erreichten wir nach 5km die erste Verpflegungsstelle. Ich wollte diesmal direkt durchlaufen und nahm nur schnell einen Becher Wasser in die Hand und lief weiter. Nach ein paar Metern war mein “Windschatten” Zenon plötzlich weg. Ich dachte schon die Entscheidung wäre bereits gefallen. Ich zog weiter durch bis zum höchsten Punkt der Strecke bei Kilometer 7. Im folgenden Downhill lies ich es gemächlich angehen und plötzlich dachte ich nur – “diese Schrittfrequenz und dieses Atmen kennst du doch”. Er war wieder da – nur ne kleine Pinkelpause – mein Windschatten. So konnten wir die nächsten 7 Kilometer wieder gemeinsam laufen. Pierre war irgendwo hinter uns. Als es in Michelbach nach dem längeren Asphaltstück wieder auf die Trails ging, dachte ich mir dass es jetzt bei Kilometer 15 so langsam mal losgehen könnte. Ich fühlte mich echt prima, zwar etwas kaputt, aber es lief auf einmal blenden. Ich konnte gut beschleunigen und merkte dass ich Zenon damit etwas quälen kann. Also, weiter reinhauen – die Steigungen merkte ich kaum und ich konnte jeden Meter rennen. Irgendwann war Zenon weg. Ich überholte Läufer für Läufer und war plötzlich komplett alleine. Bei Kilometer 17 oder 18 schaute ich auf die Uhr und dachte Sub 2h – könnte irgendwie machbar sein. Und ich rannte weiter – wie im Tunnel. Keine Schmerzen mehr, keine sonstigen Probleme. Einfach rennen, rennen, rennen… Runners High? Mir doch egal wie man das nennt, es war genial. So flog ich gefühlt Richtung Ziel. Keine Probleme, Trails geniessen und auf den Zieleinlauf freuen. Am Ortseingang von Alzenau dachte ich schon Sub 2 ist drin. Aber da machte die Strecke plötzlich einen Schlenker den ich so nicht kannte und erwartet habe und alle Träume waren dahin. Aber egal. In einer Schleife ging es runter zum Radweg an der Kahl und dann ins Ziel am Marktplatz. Über die 2:03:46,0 habe ich mich trotzdem gefreut! Kurz durchgeatmet und auf Zenon (+1:52min) und Pierre (+8:30min) gewartet. Danach ein ordentliches Stück Kuchen und Kaffee, dazu die mittlerweile knackige Sonne bei über 20 Grad genossen. Was will man mehr. In der Triple Masterwertung reichte es für Platz 17, in der Triple Gesamt-Männerwertung für Platz 40.
Fazit
Die Prämieren Veranstaltung des KOR in Alzenau/Mömbris war aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Die Organisation, die Strecken, die Start/Zielorte – alles hat gepasst. Unser kleines – nicht ernst gemeintes Duell – hat Spaß gemacht, Zenon. Und es hat auf jeden Fall zu ordentlichen Leistungen motiviert. Mein Vorsatz “TRAININGSMODUS”… na ja, lassen wir dass jetzt.
KEEP ON RUNNING 2014 in Alzenau/Mömbris










